„Handy“–Test für Lehrende

Was machen Ihrer Ansicht nach Lernende, wenn sie außerhalb von Unterricht im schulischen Raum sitzen, einen Kopfhörer tragen und ein „Smartphone“ in der Hand halten: 

  • … spielen? 
  • eine SMS schreiben?
  • eine E-Mail formulieren? 
  • Facebook abfragen? 
  • Whats-App checken? 
  • eine MindMap erstellen?
  • ein (Lern)Tagebuch schreiben?
  • seine Hausaufgaben erledigen?
  • einen Text in Word schreiben?
  • einen Text einscannen?
  • einen Text einsprechen und erkennen?
  • einen Text per OCR erkennen?
  • eine POWERPOINT Präsentation erstellen? 
  • eine PREZI Präsentation ?
  • eine KEYNOTE Präsentation zusammenstellen?
  • eine SLIDE SHARE Präsentation?
  • eine Excel-Tabelle bearbeiten? 
  • Musik zum abreagieren hören?
  • eigene Musik auf SOUNDCLOUD hochladen
  • ein Buch lesen?  
  • ein Buch anhören?
  • Deutsch?
  • Entspannungsmusik hören? 
  • Autogenes Training? 
  • Progressive Muskelentspannung?  
  • eine Sprache lernen? 
  • ein Audio-Podcast erstellen? 
  • ein Video-Podcast bearbeiten und auf I-TUNES U einstellen? 
  • ein Foto bearbeiten? 
  • ein Video schneiden? 
  • ein Video vertonen? 
  • ein Video auf YOUTUBE oder VIMEO hochladen? 
  • Vokabeln lernen? 
  • in Etherpad kollaborativ einen Text erarbeiten? 
  • in Dropbox Klassen-Daten einpflegen? 
  • zeichnen?  
  • ein Bild malen?
  • twittern? 
  • Mathematik? 
  • etwas recherchieren? 
  • ein physikalisches Experiment virtuell durchführen? 
  • ein Wort nachschlagen?   
  • Kunst? 
  • mit Mama telefonieren? 
  • ein Blog schreiben?
  • Gitarre spielen?
  • Klavier spielen?
  • Syntheziser spielen? 
  • Musik komponieren? 
  • eine Mehrspur-Tonaufnahme abmischen?
  • skypen?
  • Basic programmieren?
  • eine Website programmieren?
  • Informatik? 
  • seinen Stundenplan oder Terminkalender überarbeiten? 
  • eine Arbeitsaufgabe (in MOODLE) bearbeiten? 
  • ein WIKI erstellen? 
  • chatten?  
  • eine Facharbeit anfertigen? 
  • eine StopMotionAnimation?  
  • seine Homepage überarbeiten? 
  • oder … lernen?  

Können Sie es pädagogisch verantworten, diesen Lernenden ihr „Mobiles Gerät“ wegzunehmen?

Wie ist bei all diesen in Schule für viele Lehrende und sicherlich auch für Lernende noch eher „unbekannten“ vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten die Wegnahme eines „Smartphones“ pädagogisch zu rechtfertigen?

Was brauchen Lernende im schulischen Alltag für ihr zukünftig notwendiges „Mobiles Selbst-Lernen“ an Verständnis, Förderung, Schutz und auch an Unterstützung?

Welche Privatheit, Intimität und welche Möglichkeiten auch zur eigenen Selbstbestimmung und Selbstverantwortung wird Lernenden in Schule zugestanden?

Welches Kontroll- und Regel-Verhalten in potenziell möglichen Selbst-Lern-Situationen sollte in Schule erwünscht und erlaubt sein?

Welche Wirkung hat eigentlich eine „Handy-Wegnahme“ pädagogisch?

Welches laut Schulrecht NRW geforderte „verantwortungsvolle und sichere Verhalten im Umgang mit Medien“ wird in Schule vermittelt?

Wir können als Lehrende nur vermuten, wofür Lernende „Mobile Medien“ jeweils individuell nutzen und einsetzen. Unterstellen wir weiterhin primär SMS und Spielen also eher „Nicht-Lernen“ und „Lern-Störung“? Übernehmen wir Mitverantwortung dafür, dass aus „Spielen“ auch ein ernsthaftes Anwenden werden kann und eine sinnvolle und soziale Medien-Kultur entsteht. Wo anders als in Schule können Heranwachsende das lernen?

Durch ein „Handy“-Verbot unterbinden wir für Lernende pauschal in Schulräumen die Möglichkeit, einen „normalen“ verantwortlichen Umgang mit „Mobilen Medien“ zu lernen. Es wird eher impliziert, dass sie vor Lehrenden verborgen werden müssen, sonst nehmen sie die weg. Somit wird statt notwendigem Vertrauen, eher eine medienfeindliche Atmosphäre gegenüber neuen Lern-Möglichkeiten erzeugt, die – in Schule offenbar noch nicht erkannt – neue Kulturtechnik, Werkzeug und Schlüsseltechnologie für Lernen repräsentieren.

Wir wissen zudem, dass eine Ausstattung mit „Mobilen Medien“ – in der Regel – an Schule so gut wie nicht vorhanden ist. Unter diesen mangelhaften Umständen sollten auch eigene Medien von Schülern für Lehre und Selbst-Lernen eingesetzt werden können. Beispielsweise nach der „BYOD – Bring Your Own Device“ Methode, die ich im Kunstunterricht schon seit Jahren erfolgreich anwende. (siehe: http://schollprojekte.wordpress.com)

Ich plädiere eindrücklich für eine offene, tolerante und zugewandte Haltung in Schule gegenüber neuen Medien!

Schule muss mobil werden für eine Mobile-Selbst-Lern Kultur.

… konkrete Ideen zur Umsetzung in Schule siehe hier: Zur Diskussion: “Mobiles Digitales Lernen” statt “Handy-Nutzungs-Verbot” in Schule

PS: Ein Schüler: „Lass die Lehrer doch das „Handy“ verbieten – wir Schüler haben bald sowieso alle Smartphones!“

Lemke, Jürgen: Digitales mobiles (Selbst) Lernen statt Handy-Nutzungsverbot. Medienkompetenz Entwickeln. (2013), Heft 64 , S. 17-21. erschienen in der Zeitschrift “Lernende Schule, für die Praxis pädagogischer Schulentwicklung”, Friedrich Verlag

http://wiki.zum.de/Netbooks,_Tablets_und_Smartphones_im_Unterricht
Link zum Thema „BYOD“ – Private Computer in der Schule… „
Mobiles Lernen Handy und Smartphones im Unterricht 
Smartphones im Unterricht

Smartphones in der Schule „Das Weltwissen in der Hosentasche“

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4 Gedanken zu „„Handy“–Test für Lehrende

  1. Wozu dann noch Schule? Nach meinen Feststellungen mit Enkeln und Schülern würde ich vorschlagen, beim Lernen ,Untericht in jedweder Form, mich für die kurze Zeit der Lehrstunde auschließlich auf dieses eine Medium zu konzentrieren. Wenn der Lernende beim Vortrag des Lehrenden seine Aufmerksamkeit einem anderen Medium auch nur geteilt zuwendet, kann der Erfolg nicht gesichert sein. Es ist doch eine Tatsache, daß unter der Bank blind SMS geschrieben werden. Also Handy und Smartphones außerhalb des Unterrichtes und nichts anderes- dafür muß der Lehrende das Gerät aber nicht wegnehmen- man kann doch beispielsweise eine Vereinbarung treffen.
    Angaben zu meiner Person: Abitur 1954, mit großem Latinum, Jahrzehnte als Lehrerin in Volksschule und Musikschule unterrichtet, drei Kinder , die heute in akademischen Berufen tätig sind.

    • Ich habe in meiner Schulzeit besonders dann, wenn Lehrervortrag das „eine und oft auch einzige Medium“ war, als „anderes Medium“ währenddessen in meine Hefte und Bücher gezeichnet. Es sollte heute in einem zeitgemäßen schülerzentrierten Unterricht nach den Neuen Bildungsstandards eben nicht mehr nur unter der Bank mit Smartphones geschrieben werden sondern „auf der Bank“. Das wäre eher ein verantwortungsbewusster Umgang mit einer neuen Kulturtechnik im Sinne des Schulgesetzes. Weil Lehrende neue Lern-Werkzeuge aber offenbar – wegen Komplexität, Kontrollverlust und mangelndem Vertrauen – fürchten und nicht lernen wollen, müssen Lernende weiterhin allein „wild und gefährlich damit spielen“. Schule nimmt sich nicht die Zeit dafür und versagt so – in der Regel – auf ganzer Linie. Verbieten nenne ich verantwortungslos. Anwenden lernen!

      • Der Unterschied zwischen einem Smartphone und einem Schulheft – in dem „nebenbei“ gekritzelt werden kann – ist, dass das Heft keine Reaktion fordert. Das (sowie einige andere Asprekte) muss verstanden werden. Befürworter und Gegner mobiler Medien im Unterricht denken gleichermaßen nicht weit genug in den gängigen Diskussionen. Die Schulbildung hat immer auch eine gesellschaftsbildende Rolle und sollte dies weiterhin haben (mangels echt durchdachter Alternative).
        Das heißt, dass es nicht reicht, den Unterricht für die gleichen paar Dutzend mobile Tätigkeiten der Freizeit zu öffnen. Die Gesellschaft muss formulieren, was darüber hinaus am Ende mit Hilfe dieser Medien erreicht werden soll.
        Ein Smartphone verwenden zu können, ist als Lernziel zu wenig.
        Ich würde mir von beiden Seiten; Pro und Contra, wünschen, dass sie cooler und pragmatischer überlegen und Vorschläge machen, wie man mit einer neuen Gebrauchstechnik umgehen kann, ohne „alte“ Ziele der Bildung komplett zu verwerfen. Die Technik ist weder eine Katastrophe sondern noch eine Revolution. Sie ist kleiner und einfach da.
        Also: nicht über die Schule meckern, sondern selbst echte, zweckdienliche Konzepte anbieten, die die Technik nicht als Bildungsziel, sondern als Hilfsmittel berücksichtigen.

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